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 | Themenübersicht » Diskussionsthema: Ist Taxifahren blöd? |
Freitag, 13. Januar 2006, 06:41 Uhr |
buffalosoldier
Beiträge: 39
Registriert seit: 13.10 2004 |
Re: Bernd das Brot
Und Warum?
-> Weil er nur einen Arm hat (der Bagger) muhahahahah
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Freitag, 13. Januar 2006, 11:46 Uhr |
hugodiegurke
Beiträge: 191
Registriert seit: 01.01 2006 |
nochmal heine
Himmel grau und wochentäglich! Auch die Stadt ist noch die selbe! Und noch immer blöd und kläglich Spiegelt sie sich in der Elbe.
Lange Nasen, noch langweilig Werden sie wie sonst geschneuzet, Und das duckt sich noch scheinheilig Oder bläht sich, stolz gespreizet.
Schöner Süden! wie verehr ich Deinen Himmel, deine Götter, Seit ich diesen Menschenkehricht wiederseh, und dieses Wetter!
Einer meiner Tauchlehrer (Einarmig) nimmt noch Tauchschüler an.
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Freitag, 13. Januar 2006, 13:01 Uhr |
bernddasbrot
Beiträge: 178
Registriert seit: 04.12 2005 |
Aja, der Taucher!
In der Schule (ja, da war ich wirklich) habe ich mal ein Gedicht gelernt:
DER TAUCHER von Fiedrich von Schiller
Blubb, blubb, weg war er.
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Freitag, 13. Januar 2006, 15:41 Uhr |
Timo
Beiträge: 155
Registriert seit: 13.10 2004 |
Katz oder Kater
"DER TAUCHER von Fiedrich von Schiller"
Also von wem denn jetzt - von Friedrich oder von Schiller?
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Freitag, 13. Januar 2006, 16:36 Uhr |
hugodiegurke
Beiträge: 191
Registriert seit: 01.01 2006 |
Helm auf
Der Taucherbeitrag vom Brötchenbernd, ich muss es in dieser Deutlichkeit einmal sagen, ist wirklich der schwächste hier im Forum und offenbahrt noch einmal dass der Autor ohne jegliches Talent zu haben völlig überschätzt wird. Syntax : altbacken phrasenhaft. Inhalt : absoluter Mainstream, sich dem substanzlosen Zeitgeist gedankenlos anpassend. Nicht ein einziges Wort in diesem Beitrag ist gut oder besitzt auch nur annähernd lesenswerte Qualitäten.
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Freitag, 13. Januar 2006, 18:23 Uhr |
bernddasbrot
Beiträge: 178
Registriert seit: 04.12 2005 |
Schon wieder Freitagabend!
Hier hier noch der nützliche Tipp zum Start ins Wochenende:
Brot trocknet nicht so schnell aus, wenn man es stets in einem Eimer mit Wasser lagert.
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Freitag, 13. Januar 2006, 18:53 Uhr |
marcopolo
Beiträge: 159
Registriert seit: 02.03 2005 |
immer wieder freitags
. . wie es ist Ick weeß ooch nich, wat mit mir is. In letzer Zeit träume ick immer so schlimme Sachen. Freitagabend hab ick mit Trude uff'm Sofa jesessen, die WM-Auslosung jekiekt und mit ihr pausenlos La-Ola-Wellen jemacht. Polen, Ecuador und Costa Rica dürften ja für Klinsi & Co keene große Hürde sein. Und wat hab ick jeträumt? Daß wa dreimal valieren und inna Vorrunde ausscheiden! Um Jotteswillen! Togo wird Weltmeister! Staatskrise in Deutschland! Die Kanzlerin muss zurücktreten! Alle Spieler bitten den amerikanischen Jeheimdienst um Entführung, weil se sich hier nich mehr blicken lassen können. Trude meent, ick soll mal zum Arzt jehn. Se hat übrijens ooch wat jeträumt: Daß wa Weltmeister werden!
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Freitag, 13. Januar 2006, 19:05 Uhr |
hugodiegurke
Beiträge: 191
Registriert seit: 01.01 2006 |
g.c.lichtenberg
| Das alte Fass ist ausgetrunken, |
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| der Himmel steckt ein neues an. |
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| Wie mancher ist vom Stuhl gesunken, |
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| der nun nicht mit uns trinken kann. |
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| Doch ihr, die ihr wie wir beim alten |
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| mit so viel Ehren ausgehalten, |
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| geschwind die alten Gläser her |
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| und setzt euch zu den neuen her! |
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Samstag, 14. Januar 2006, 09:46 Uhr |
bernddasbrot
Beiträge: 178
Registriert seit: 04.12 2005 |
Brr - kalt
Heute Nacht war es schattig draußen.
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Samstag, 14. Januar 2006, 18:58 Uhr |
hugodiegurke
Beiträge: 191
Registriert seit: 01.01 2006 |
muss auch mal gesagt werden
Re: brr- ka
Erschütternd, bewegend, leise, brachial, zart, unheimlich, spannend, unparteiisch, grausam,einfühlsam, fesselnd.
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Samstag, 14. Januar 2006, 19:27 Uhr |
bernddasbrot
Beiträge: 178
Registriert seit: 04.12 2005 |
Heute nachmittag...
Heute nachmittag war es mir langweilig. Darum habe ich zwei große runde Pappscheiben in die oberen Ecken meines Fernsehers geklebt. Jetzt sehen alle Nachrichtensprecher aus wie Micky Maus!
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Samstag, 14. Januar 2006, 23:52 Uhr |
marcopolo
Beiträge: 159
Registriert seit: 02.03 2005 |
Taxi nach Benghazi
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Eine Reise durch Libyen
Thomas Findeiss  |

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Morgens 1.40 Uhr. Ankunft Tripolis Flughafen. Ich betrete den Boden eines Landes, das weiter von Europa entfernt ist, als knapp drei Stunden Flugzeit vermuten lassen. Nach der Aussetzung (nicht Aufhebung!) des 1992 von den USA verhängten Embargos steuern europäische Fluggesellschaften die Hauptstadt Libyens wieder an. Am Vormittag - Pressekonferenz: Libyen sei bereit, sich zu öffnen. Aber man versuche, im Gegensatz zu anderen arabischen Nationen, die Kontrolle über die Aktivitäten ausländischer Investoren in diesem Land zu behalten, jedenfalls sagt das ein hoher Beamter der Industrie und Handelskammer, Saleh Zahaf: Die Identität des libyschen Volkes solle nicht dem Ausverkauf preisgegeben werden. Arabia felix.
Ich habe vor, ein Interview mit Muammar al-Ghaddafi zu führen. Es soll dabei nicht um Politik gehen, sondern um Literatur. Ghaddafi hat ein Buch geschrieben, eine Novellensammlung mit dem Titel Escape To Hell And Other Storys. Selbstverständlich ist ein ganzer Apparat damit beschäftigt, einen der exzentrischsten Staatsmänner des Jahrhunderts abzuschirmen. Ghaddafi ist allerdings auch gar nicht zu Hause. Er trifft sich in Südafrika mit Nelson Mandela. Ich verschiebe das Interview und mache mich auf den Weg in das Land, von dem in Escape To Hell die Rede ist. Man zeigt uns freundlich die grandiosen römischen Ruinenstädte am Mittelmeer: Sabrata und Leptis Magna. Schon die Griechen hatten um 500 vor Christus in den östlichen küstennahen Regionen des heutigen Libyens nach dem sagenhaften Goldschatz Afrikas gesucht
Und da ist er plötzlich: der gibhli. Als eine einzige Woge konzentrierter Hitze rollt er aus dem Tal den Hang herauf. Die Dattelpalmen unten in der Senke biegen sich, als ob sie Grashalme wären, und jeder Stein scheint zu ächzen, und man schnappt nach Luft und denkt: Das kann nicht sein. Das ist der Atem der Hölle. Wenn dieser Wind mit den vielen Namen im Sommer aus dem Innern der Sahara weht, treibt er sogar in den Küstenstädten das Thermometer in kürzester Zeit bis auf 45 Grad Celsius.
"Ghadames, The Jewel Of The Desert" steht auf einem Werbeplakat. Die verwinkelte Architektur der Altstadt hatte nur den einen Sinn: ein wenig Kühlung zu bieten. Jetzt lebt man in modernen Betonbauten mit Klimaanlage und fließendem Wasser. Die ehemaligen Gärten sind verfallen. Im Gästebuch des Museumshauses bedankt sich eine Reisegruppe aus Hannover für die Gastfreundschaft. Auch Norbert Blüm war vergangenen Winter hier. Jetzt im Sommer steht das Hotel leer. Ein Falke sitzt auf einem Zaun, die Flügel abgespreizt in die leichte Brise.
In Sirte, wo er zur Schule ging, empfängt Ghaddafi Staatsgäste
Westlich von Ghadames in der Wüste liegen auf einer kleinen Anhöhe zwei kreisrunde tiefblaue Seen, wie die Augen eines im Wüstensand verborgenen monströsen Wurms. Das Wasser ist kühl und stark salzhaltig. Die Abbruchkante dieser Kraterseen führt senkrecht nach unten. Vor ein paar Jahren, erzählt der Führer, stürzten hier nachts zwei Touristen mit ihrem Landrover ins Wasser. Ein italienisches Archäologenteam tauchte kurz darauf in die Krater. In 50 Meter Tiefe gaben sie auf; das Senkblei fand keinen Grund. Der Fahrer und ich springen ins Wasser und klettern so schnell wie möglich wieder heraus. Ein Schwarm winziger Fische stiebt in die Tiefe.
Ein paar Tage später steige ich in Sirte aus dem Bus; ursprünglich ein unbedeutendes Fischernest am Meer. Hier ging Ghaddafi zur Schule. Hier ließ er das administrative Zentrum Libyens aufbauen und beendete damit die Rivalität zwischen Tripolis und Benghazi. Hier empfängt er Staatsgäste.
An der Wand meines Zimmers hat eine Frau den Abdruck ihres roten Mundes als Souvenir hinterlassen. Als ich am frühen Morgen das Hotel verlassen will, liegen die Angestellten schlafend auf den Sofas in der Lobby. Vor dem Laden eines Metzgers baumelt ein abgeschnittener Kamelkopf im Morgenwind. Ich nehme ein Taxi und komme am Abend in Benghazi an.
"Wait a minute, please", sagt die Dame an der Rezeption des Hotels. Ich sinke in eines der tiefen Sofas und warte. Nach einer halben Stunde kommt ein kleiner, alter, zerbrechlicher Mann mit einer dunklen Sonnenbrille. "Sorry, Sir. Unfortunately the telephone lines have been cut." Das macht nichts. Das Interview kann warten. Wir werden unterbrochen. Jeder lässt sich hier von jedem unterbrechen, und danach muss man wieder von vorne anfangen. Das ist es, was ein Gespräch erst so richtig schwierig macht. In Benghazi, der zweitgrößten Stadt Libyens am östlichen Rand der Großen Sirte, lernt man schnell, geduldig zu sein. Hier konzentrierte sich das Leben des östlichen, orientalisch geprägten Libyens.
Benghazi war eine große Handelsmetropole. Das Embargo hat die Stadt in Dämmerschlaf versetzt. Und nach ein paar Tagen schon fühlt man sich wie in einem abgekoppelten Eisenbahnwaggon. In den Cafés sitzen die jungen Männer und warten. Einer von ihnen, studierter Elektrotechniker, sagt mir: Es gibt keine Zukunft in Benghazi, auch keine Vergangenheit. Ich frage: Nicht einmal Gegenwart? Sie lachen und wissen nicht so genau. Die Jugend von Benghazi sieht sich um den Anschluss an den so genannten internationalen Standard gebracht. Das ist kein hausgemachtes Problem. Libyen, einem der reichsten und entwickelsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent, verkauft man keine Eintrittskarte in die Gegenwart.
Die Ölmanager aus dem Westen ärgert das auch, denn auch sie müssen, vorläufig, noch warten. Und dabei kommt das libysche Erdöl so rein aus dem Wüstensand, dass man es in Dieselmotoren verbrennen kann. Jedenfalls wird das auf einem der zahllosen Ghaddafi-Plakate propagiert, die in Libyen beinahe allgegenwärtig sind. Die Hölle - das sind die Massen, schreibt Ghaddafi. Man flüchtet vor den Massen in die Wüste. In der Wüste spürt jeder seine Nichtigkeit - und Größe. Beides kann zur Hölle werden.
Der magisch leere Raum der Sahara, den man wie eine graue Eminenz hinter allem spürt, was einem in diesem Land begegnet, zieht mich noch einmal in seinen Bann. Ein neuer Überlandbus schwedischer Herkunft mit Air-Condition lässt auf eine erträgliche Reise hoffen. Aber der Bus kann nicht gestartet, sondern muss mit vereinten Kräften angeschoben werden. Nach ein paar Kilometern tropft das Kondenswasser der Klimaanlage aus den Lautsprechern.
Eine Nachtfahrt durch den Great Sand Sea bei Vollmond - das ist wie ein Flug durchs All. Fast jeder schläft. In dem blauen Licht der Bordlampen haben sich die Berber in ihre weißen Kaftane gehüllt. Wie große Seidenraupen liegen sie in ihren Sesseln; nur eine schwarze Hand, ein nackter Fuß verraten die Anwesenheit von Menschen. Der Mond steht über einem schier endlosen Meer von Sanddünen. Plötzlich heult der Motor auf. Der Bus fährt im Schritttempo über ein dickes Seil und hält im Lichtschein eines Kontrollpostens an. Der Fahrer steigt aus und gibt einen Stapel Papiere ab.
Die Schwaden der Wasserpfeifen duften nach Apfel
Es scheint Komplikationen zu geben. Ein Soldat betritt den Bus und verlangt die Pässe. Jeder Einzelne wird akribisch geprüft. Man ist auf der Jagd nach illegalen Einwanderern aus den Kriegsgebieten des Sudan und des Tschad. Ein paar Kilometer weiter wird eine Rast eingelegt. Die Relaisstation ist taghell erleuchtet. In der Kühle der Nacht wird gebetet, gegessen, geraucht und die allgegenwärtige grell orangefarbene Limonade getrunken, in Libyen herrscht striktes Alkoholverbot. Hinter einem im Wind wehenden Vorhang sitzt ein alter Mann am Tisch, den Kopf auf den Armen, schlafend unter einem laufenden Fernseher. Eine riesige Ameise schleppt einen Brotkrümel in die Dunkelheit.
Nach ein paar Tagen und Nächten im Bus habe ich keinerlei Gefühl mehr für die verbrauchte Zeit. Das gleichmäßige Brummen der Motoren, das Vorbeigleiten der immer gleichen und doch ständig wechselnden Szenerie, die Hotelzimmer, die sich nur im Hitzegrad voneinander unterscheiden, lassen mich allmählich den Grund und die Absicht meiner Reise vergessen.
Über die Dachterrasse des mondänen Al-Kabir-Hotels in Tripolis treiben die nach Apfel duftenden Schwaden der Wasserpfeifen. Hier mache ich die Bekanntschaft des Herausgebers der in London erscheinenden Zeitung Al Arab.
Er ist eine Autorität in Libyen und ein Freund Ghaddafis. Schlagartig fällt mir ein, warum ich eigentlich hier bin. Ein Kontakt zum Leader, wie er hier von jedermann genannt wird, rückt in greifbare Nähe. Leider bin ich in der nächsten Nacht schon im Flugzeug. Ein paar Tische weiter nippen junge Männer an ihrer Pepsi-Cola, versunken im Gesang des Ud-Spielers Nasser Aledraghily, den sie den "King of Maghreb" nennen. Seine Lieder handeln von Liebe und Traurigkeit. Jedes Land hat seinen Blues. Dieser hier ist besonders zart und schmelzend, in der lauen Luft.
Beim Anblick der Menschenmassen am Frankfurter Flughafen denke ich: Sie alle, ob sie es wissen oder nicht, suchen nach dem, was nur in der Wüste zu finden ist. Die Tür des Glücks geht nach außen auf, sagte ein dänischer Philosoph. |
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Sonntag, 15. Januar 2006, 00:42 Uhr |
marcopolo
Beiträge: 159
Registriert seit: 02.03 2005 |
Taxi+mehr
Ein Abend mit dem Kanzler
Jede Woche erzählen wir eine Geschichte aus Berlin
Von Jochen Schimmang
Jetzt ist der ganze Zauber vorbei", sagte Hachmeister und schloß den obersten Knopf seiner Jacke. "Keiner mehr zu sehen."
"Stimmt nicht ganz", sagte ich und deutete mit einer Kopfbewegung seitwärts. Ein schwarzer Hund, nicht sehr groß, mit gelb leuchtendem Signalhalsband, lief quer über das leere Gelände. Er blieb ab und zu stehen und schnupperte an den Resten, die die Schlacht hinterlassen hatte. Vielleicht lagen Essensreste herum, vielleicht roch er an getrocknetem Blut. "Ein Herrchen scheint's nicht zu geben, Halsband hin oder her."
"Vielleicht ist er ein Abgesandter von oben", sagte Hachmeister und zeigte in den Himmel. Vor einer weißgrauen Wolkenschicht stand der Vollmond fahl über der leuchtenden Fahne auf dem Reichstag. "Laß uns gehen. Im Kino gehen die Helden in der letzten Szene auch immer so aus dem Bild."
Wir gingen Richtung Pariser Platz. Es war in den letzten beiden Stunden deutlich kälter geworden, und der Wind kam eisig von der rechten Seite. Der Kanzler stand kurz vor dem Brandenburger Tor, ganz allein, mit leicht hängenden Schultern, die Hände in den Manteltaschen. Er winkte uns zu, als er uns erkannte, und als wir ihn fast erreicht hatten, rief er: "Schreibt mir bloß keinen Blödsinn über das Ganze. Spielt das nicht so hoch, so was passiert immer wieder. Es hat kaum Verletzte gegeben. '68 war schlimmer."
"Unsere Texte sind längst in der Redaktion", sagte ich. "Was machen Sie hier, so allein?"
"Ich weiß nicht. Ich hätte Lust, ein Bier trinken zu gehen. Kommt, wir machen rüber in den Westen." Er setzte sein bekanntes Lachen in Gang, brach dann aber schnell ab und ging auf ein Taxi zu.
"Führt mich mal irgendwohin, wo ihr immer einen trinken geht."
"Charlottenburg", sagte Hachmeister.
"Charlottenburg ist prima", nickte der Kanzler.
"Stuttgarter Platz", sagte Hachmeister, als wir einstiegen. Er saß vorn, der Kanzler und ich hinten. Der Taxifahrer war ein älterer Mann, ungeheuer dick, der während der ganzen Fahrt leise schnaufte. Vielleicht wollte er etwas sagen. Vielleicht wollte er sich politisch äußern oder seine Einkommenslage schildern. Vielleicht dachte er daran, den Kanzler um ein Autogramm zu bitten, aber er blieb stumm. Unterwegs begann es zu schneien, große Flocken, die sehr schnell immer dichter wurden.
"Jetzt kriegen wir doch noch Winter", sagte der Kanzler. Auf den Straßen zogen die Passanten die Schultern hoch.
"Wer bezahlt denn eigentlich die Sachschäden?" fragte Hachmeister.
"Fragt mich was Leichteres. Darum kann ich mich nicht auch noch kümmern. Irgendwie ist das schon geregelt."
Er holte ein Taschentuch aus der Manteltasche und rieb an seinem rechten Auge.
"Es soll ein paar Festnahmen gegeben haben", sagte ich.
"Es gibt immer ein paar Festnahmen. Alles nicht so wild. Die haben ja auch irgendwie recht, diese Leute. Alle haben immer irgendwie recht, und ich sitze blöd dazwischen. Die Macht sitzt nicht oben. Sie sitzt immer dazwischen."
"Über der Macht steht heute der Vollmond", sagte Hachmeister.
"Über der Macht steht Saturn", sagte der Kanzler. "Die Macht ist melancholisch, glaubt mir das, Jungens."
Der Schnee wurde noch dichter. Der Taxifahrer gehörte zur bedächtigen Sorte, fuhr fast ängstlich. Die kostbare Fracht hinter seinem Rücken schüchterte ihn ein.
Der Kanzler verstaute das Taschentuch wieder in der Manteltasche und sagte: "Ich habe gestern eine Postkarte bekommen, von einem alten Schulfreund. Seit dreißig Jahren nichts mehr von ihm gehört. Der ist jetzt irgendwo in der Südsee, ich habe den Namen vergessen. Nicht im Urlaub. Der lebt da."
Ich war plötzlich sehr müde und sehnte mich nach dem hellen, warmen Licht im Lentz und einem Bier vor mir auf einem der soliden Tische. "In Bonn wären wir schon längst irgendwo an der Quelle", sagte ich. "Da schneit's garantiert nicht."
Der Kanzler prustete. "Bonn", sagte er. "Bonn."
"Beim Kollegen Murnau kommen ab und zu die rheinischen Sentimentalitäten hoch", beschwichtigte Hachmeister. "Das wird sich auch nicht mehr ändern. Wir haben es übrigens gleich geschafft." Er drehte sich um. "Sehen Sie da vorn das freundliche Licht?"
"Charlottenburg leuchtet", sagte der Kanzler. "Wenigstens hier und da."
Beim Aussteigen fragte der Kanzler den Taxifahrer: "Wie ist das Taxifahren heutzutage so?"
"Ein hartes Geschäft", sagte der Fahrer mit einer überraschend hellen Stimme.
"Meins auch", sagte der Kanzler. "Stimmt so. Lassen Sie, ich brauche keine Quittung."
Als wir das Lokal betraten, beschlugen meine Brillengläser sofort. Ich nahm die Brille ab und blinzelte in den Raum. Wir gingen auf einen Ecktisch zu, und ein paar Leute hoben die Köpfe, senkten sie dann aber schnell wieder und versuchten, unberührt zu bleiben. Ein Charlottenburger läßt sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen, nur, weil zufällig der Kanzler in seine Stammkneipe kommt. Der ließ seinen Mantel auf die Bank neben sich fallen und sagte: "So, ich sitze."
Der Chef kam selber an unseren Tisch.
"Na, schneit's?"
"Und wie", sagte Hachmeister. "Und vorm Reichstag war heute ganz schön was los."
"Ja", sagte der Chef, "hat vorhin schon mal einer erzählt. Drei Bier?"
"Drei Bier", sagte Hachmeister. "Geht auf meinen Deckel."
Aus der Berliner Morgenpost vom 23. Januar 2005
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Sonntag, 15. Januar 2006, 11:22 Uhr |
hugodiegurke
Beiträge: 191
Registriert seit: 01.01 2006 |
Anuncment
Ich möchte bekanntgeben das ich bernd out ähhh burnt out bin und bis morgen einen Forumurlaub brauche. Danke für das entgegengebrachte Verständnis.
Ich geh' im Urwald für mich hin ... Wie schön, daß ich im Urwald bin: man kann hier noch so lange wandern, ein Urbaum steht neben dem andern. Und an den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub. Schön, daß man ihn hat!
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Sonntag, 15. Januar 2006, 11:25 Uhr |
bernddasbrot
Beiträge: 178
Registriert seit: 04.12 2005 |
Naja, gut...
Warum schreibt Ihr nur so lange Texte. In der Kürze liegt die Würze!
"Angeklagter, hatten Sie einen Genossen, als Sie den Einbruch ausführten?" "Nein, Herr Richter. Ich war vollkommen nüchtern."
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... anscavallo.de?
... bocksberg.de?
... hennenbach.de?
... herrieden.net?
... ?
... gibt's hier!
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